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Schröders Wahlsieg: Der Geheimplan By Dr. Josef JoffeSchröder-Dämmerung? Selbstmord aus Angst vor dem Tod? Hier ist der Geheimplan für den Sieg, den drei Bundeskanzleramts-Praktikanten in 20 Minuten ausgeheckt und aus Versehen an diese Zeitung gemailt haben. Die Prämisse läuft so: Die SPD hat ständig Wahlen verloren, weil sie dem Volk allerlei Zumutungen wie Hartz IV aufgehalst hat. Daraus folgt: Der Kanzler, der bekanntlich 1998 und 2002 den Sieg nicht für die Partei, sondern für sich selber errungen hat, muss erneut personalisieren und sich dabei als Rächer der Verlierer aufstellen. Er muss den Leuten abermals versprechen, dass er sie gegen die Stürme der Globalisierung schützt (eigentlich: Europäisierung, siehe »Sozial- und Steuerdumping« der neuen EUler), sie im sicheren Hafen des Sozialstaates verankert. Also: »keine amerikanischen Verhältnisse«, wie schon 2002. Gleichzeitig durchkreuzt der Neuwahl-Eröffnungszug die Strategie der Union, die aus vier Wörtern besteht: »Nix sagen, nix tun.« Stattdessen: warten, bis ihr der Wahlsieg wie eine aufgeplatzte Pflaume in den Schoß fällt. Der Geheimplan hat folgende Zwickmühle für die Union aufgebaut: Rutscht sie nach »neoliberal«, wird das Volk noch wütender auf Merkel, als es jetzt schon auf Schröder ist. Oder die Union rutscht nach links. Dann kann Schröder sie als müden Abklatsch verhöhnen, das Wahlvolk fragen: »Wollt ihr die blasse Kopie oder das Original?« Diese Taktik hat schon 2002 funktioniert, als Kandidat Stoiber den Kanzler in der Irak-Frage links zu überholen versuchte. Auch diesmal wird es die Union nicht wagen, den Erneuerer zu geben. Denn das Volk will nicht mehr, sondern weniger Zumutungen. Das beredte Schweigen der CDU/CSU während der Anti-Kapitalismus- Kampagne zeigt, wie tief ihr die Angst vor einer genuinen Reformpolitik im Nacken sitzt. Merkel tät sich ja gern trauen, aber da steht der neu gefügte sozialdemokratische Machtblock Stoiber/ Rüttgers davor. So oder so: Die Initiative liegt beim Kanzler. Er darf bloß nicht »Sie oder ich?« tönen; das würden ihm die Frauenfreunde verübeln. Sondern: »Wir oder die - Original oder Kopie?« Den Plan haben sich zwar bloß ein paar Praktikanten ausgedacht, die nicht wissen, was sie tun. Die Unionisten aber kennen diese Falle sehr wohl. Denn sie haben sie selber gebaut. ......................................................................................................................... The author, Dr. Josef Joffe, is co-publisher and co-editor of the German weekly newspaper "Die Zeit" and an AICGS Trustee. This article previously appeared in the German newspaper "Die Zeit" on May 25, 2005. It appeared in the June 2, 2005, AICGS Advisor with the author's permission. ......................................................................................................................... For the English translation, please click here.
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