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Blut-Diamanten und Blut-Öl
By J.D. Bindenagel


Der Film "Blood Diamond" mit Leonardo DiCaprio, der an diesem Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, spielt im vom Bürgerkrieg zerstörten Sierra Leone der neunziger Jahre. In dieser Zeit trugen Rohdiamanten maßgeblich zur Finanzierung des Krieges der Rebellen gegen die Regierung und das Volk bei, weshalb sie auch "Blutdiamanten" genannt wurden. Dieser Krieg war besonders brutal. Zivilisten wurden die Arme abgehackt - nur um Panik unter den Bewohnern der Diamantengebiete auszulösen, damit sie aus der Gegend fliehen. In solchen Kriegen kann niemand unparteiisch bleiben.

Dieser Film befasst sich zwar mit Sierra Leone, deutet jedoch auch an, was grundsätzlich bei Massen- und Völkermord unternommen werden kann, sei es in diesem Krieg, sei es zum Beispiel in jenem in Darfur. In Sierra Leone schwoll während des Krieges die sogenannte "Revolutionary United Front" von anfänglich 400 Rebellen auf mehrere tausend an. Am Ende verloren 50,000 Menschen ihr Leben, ein Drittel der 4,5 Millionen zählenden Bevölkerung wurde zu Flüchtlingen, 500,000 von ihnen flohen in Nachbarländer. Der Film erzählt, wie Diamanten zu Blutdiamanten werden. Gleichzeitig werden Wege gezeigt, die Finanzierung des Gemetzels zu unterbinden.

Als der internationalen Gemeinschaft Ende der neunziger Jahre die Bedeutung von Blutdiamanten für den Krieg in Sierra Leone klar wurde, kamen die Vereinten Nationen, eine Reihe von Regierungen, Nichtregierungs-Organisationen und Diamanten-Firmen im Jahr 2000 überein, gegen den Missbrauch von Diamanten für Kriegszwecke vorzugehen. Der Kampf gegen Blutdiamanten sollte sicherstellen, dass nur noch saubere Diamanten auf den Markt gelangen. Die UN-Resolution 1306 verbot den Import von Diamanten aus Sierra Leone; Organisationen wie World Vision, Amnesty International und Oxfam sorgten zur selben Zeit dafür, dass die Welt vom Missbrauch des Diamantengelds erfuhr. Daraufhin kündigte die südafrikanische Regierung den sogenannten "Kimberley-Prozess" an; benannt nach der Stadt, die die größte Diamantenmine Südafrikas beherbergt. Für alle "sauberen" Diamanten wurde ein international kontrolliertes Herkunfts-Zertifikat eingeführt, mit dem die anderen diamantenexportierenden Länder und die Industrie geschützt werden sollten: Auf diese Weise sollen Kunden sichergehen, keine Blutdiamanten erworben, also Kriege mitfinanziert zu haben; sei es in Sierra Leone, aber auch in Angola und Liberia.

Diamanten sind einzigartige Symbole der Schönheit und ewiger Liebe. Im Kimberley-Prozess ging es darum, die Reinheit der Steine und ihr Image zu bewahren - und damit auch die rechtmäßigen Einkommen zu sichern, die mit ihnen erzielt werden. Die Vereinigten Staaten verabschiedeten im Jahr 2003 den "Clean Diamond Trade Act". Der Erfolg ist nicht zu übersehen: So wurden schon im Jahr darauf 56,791 Lieferungen Rohdiamanten kontrolliert. Der Kimberley-Prozess hat somit dazu beigetragen, dass der Krieg zu Ende ging und in Sierra Leone inzwischen der Wiederaufbau begonnen hat. 2006 exportierte das Land wieder saubere Diamanten im Wert von 200 Millionen US-Dollar.

Im Grunde ist der Film "Blood Diamond" ein einziger Appell. Nicht zuletzt an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident George W. Bush, etwas gegen den Völkermord in Darfur zu tun. Die Grundvoraussetzungen für eine neue Politik dort sind wohl bekannt. Dabei ist es wichtig, die verschiedenen Einflussfaktoren im Darfur-Konflikt zu berücksichtigen. Einige erinnern an den Fall Sierra Leones, andere hingegen sind Darfur-spezifisch. Der Krieg wird geprägt durch ethnische und regionale Spannungen zwischen der arabischstämmigen Bevölkerung des Nordens und den schwarzen Afrikanern im Süden. Es kämpfen gegeneinander die sufi-islamische Regierung und ihre Janjaweed-Milizen auf der einen Seite sowie die animistisch-christlichen Rebellen des Südens auf der anderen Seite.

An Sierra Leone erinnert besonders die Bedeutung der Ölförderung im Sudan, vor allem angesichts der derzeit steigenden Ölpreise. Sie hat für den Krieg in Darfur dieselbe Bedeutung wie einst der Diamantenhandel für jenen in Sierra Leone. Wir befinden uns in diesem Punkt im Sudan in einer ähnlichen Situation wie in Sierra Leone vor dem Kimberley-Prozess: China stillt seinen Ölhunger, indem es Blut-Öl aus dem Sudan kauft; die Volksrepublik ist der wichtigste Kunde des Regimes in Khartum. Zugleich droht die Afrikanische Union ständig mit einem Eingreifen - aber ihre Friedenstruppe ist viel zu schwach, um ernsthaft etwas bewirken zu können.

Der Kimberley-Prozess hat gezeigt, dass es möglich ist, in einen Konflikt und einen Völkermord wirksam einzugreifen. Die UN-Konvention gegen Völkermord verlangt von ihren Unterzeichnern, dass sie sich dafür einsetzen, Genozide zu verhindern und Verantwortliche zu bestrafen. Dennoch stehen unterschiedliche Sichtweisen zu den Menschenrechten, zum Kampf gegen den Terrorismus und zu internationalem Handel bisher einem wirksamen Einsatz von Menschenrechtsgruppen, Sicherheitsspezialisten und Regierungen im Weg. Deshalb unterbindet niemand den von der sudanesischen Regierung vorangetriebenen Völkermord.

Was wäre zu tun? Erstens müssten Truppen der Afrikanischen Union durch die Vereinten Nationen oder die Nato unterstützt werden. Zweitens könnten Regierungen Finanzsanktionen gegen Unternehmen verhängen, die Geschäfte im Sudan abschließen. Drittens könnte der Internationale Strafgerichtshof Verfahren gegen die Verantwortlichen eröffnen. Viertens könnten die USA und die EU in Gestalt von Präsident Bush und Kanzlerin Merkel auf China einwirken. Dieses Land dürfte am ehesten Zugang zu der Regierung in Khartum finden, um ein Friedensabkommen und die Auflösung der Janjaweed-Milizen zu erreichen. Wenn die USA und die EU jetzt nicht handeln, wird der Völkermord in Darfur Dimensionen annehmen, wie wir sie nach dem Zweiten Weltkrieg nur in Kambodscha und Ruanda erfuhren. In der letzten Szene des Films "Blood Diamond" steht ein Opfer des Krieges in Sierra Leone vor Repräsentanten der Weltgemeinschaft und erzählt seine Geschichte, die Geschichte eines Massenmords. Schon oft hat die Menschheit "nie wieder" gesagt, schon oft hat sie gleichwohl bei Massen- und Völkermord zugesehen. Es ist möglich, das Morden in Darfur zu beenden, wenn wir wollen. Wollen wir?


Ambassador J.D. Bindenagel was the U.S. negotiator for "conflict diamonds" during negotiations that led to an international ban on the illicit trade of these diamonds in 2003.  He currently is vice president of Community, Government, and International Affairs at DePaul University and a member of the AICGS Senior Advisory Council. He was former U.S. ambassador and special envoy for Holocaust issues from 1999-2002, and acting U.S. ambassador in Germany from 1996-1997.

This article originally appeared in the January 25, 2007, Süddeutsche Zeitung. An English translation is available by clicking here.  This article also appeared in the February 1, 2007, AICGS Advisor.

 



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