Jeder Vortrag, jeder Artikel fängt heutzutage mit demselben Satz an:

Es geht der Wirtschaft eigentlich sehr gut. Von der Krise fast erholt. Handel und Technologie florieren.

  • ABER   die Menschen sind unzufrieden und die Politiker sind Ratlos. Löhne stagnieren, Arbeitsplätze werden vernichtet, internationale Konkurrenz wird immer bedrohlicher.

Man wird damit in den USA, in Deutschland und sogar in Asien konfrontiert. Der Amerikanischer Wahlkampf widerspiegelt dieses Paradox.

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Wir in der Westlichen Welt, zelebrieren den Fortschritt. Wir befinden uns mitten in einem großen Sprung nach vorne.

Es geht den Menschen besser als je zuvor, Arbeitslosigkeit ist wieder unter Kontrolle und unsere Lebensstandards werden stetig besser. Die Atlantische Welt lebt in Frieden. Europa geniesst zum ersten Mal in seiner Geschichte Frieden und Demokrtie. Ich bin fest überzeugt – unsere besten Tage liegen vor uns.

  • ABER Die Politiker verlieren an Vertrauen, die Parteien an Mitglieder und die Gesellschaften an Stabilität.   Sowohl in Deutschland wie in den USA wird die Politikverdrossenheit immer deutlicher. Radikale Stimmen werden laut. Hier AfD und Pegida. Da Donald Trump.

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Westliche Werte bestimmen das Weltgeschehen mehr als je zuvor. Unsere Technologie, unsere Rechts Systeme, unsere Lebensweise wird immer mehr bewundert. Die Flüchtlinge wollen in den Westen – nicht nach Russland.

Deutschland und die USA haben nie so eng zusammengearbeitet wie heute. Die Diplomatie wird genau koordiniert. Amerikas Unterstutzung bleibt für die europäische Sicherheitspolitik unerlässlich. Wir bauen zusammen einen trans-Atlantischen Markt.

Im ersten 3 Monaten 2016 betrug der gegenseitiger Deutsch – Amerikanischer Warenaustausch 27,759.4 Milliarden Dollar. Für 2015 $ 124,139.2.   Deutschland hatte in 2015 einen Handels Überschuss von $74.192 Milliarden. Und im Jahre 2013, betrug der EU Überschuss bei Agrarprodukte mehr als $6 Milliarden.

Die USA sind jetzt Deutschlands wichtigster Handelspartner. Ein TTIP Abschluss würde den Handel noch mehr ankurbeln.

  • ABER Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks fürchten um ihre Arbeitsplätze. Produktivität stagniert. Roboter übernehmen viele Funktionen. Viele haben das Gefühl, dass unsere Grundwerte von neuen Technologien unterminiert werden. Freihandel heißt für viele Ausverkauf der persönlichen Werte. Biotechnologie wird weitgehen abgelehnt. Gerade in Deutschland, verbreitet sich das Gefühl, man hat immer weniger gemeinsam mit Amerika aber auch dasselbe Gefühl gilt bei vielen Deutschen für die europäischen Partner. In Europa wird Deutschland zunehmend als aggresiv und intolerant gesehen. Frau Merkel meint, Deutschland wird allmählich zum „Amerika Europas.“

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Was ist um Himmelswillen Los?

Die Antwort auf diese Frage ist einfach und schwierig zur gleichen Zeit.

. Wir sind sehr schnell, fast lautlos in eine neue Zeitrechnung gekommen. Die Änderungen sind vor allem das Ergebnis westlicher Wissenschaft und Innovationsgeist. Aber sie stellen uns trotzdem vor eine besondere Herausforderung. Eine Aufgabe, die so ungefähr gleich schwierig ist wie die des der Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und der Wende zusammen.

Wir brauchen dringend eine Neuvermessung der Welt, die uns dabei hilft eine neue Dynamik zu orten und definieren. Die Umrisse dieser Neuvermessung sind schon erkennbar.

  • Die sogenannte Digitalisierung ermöglicht neue Prozesse, die alte Industriekultur und viele Berufsgruppen zunehmend überflüssig machen. Zur gleichen Zeit bietet sie endlose Möglichkeiten ein besseres Leben für die ganze Menschheit aufzubauen. Aber sie schafft neue Prozesse die existierende Arbeits – und Sozialmodele überflüssig machen. Das Ergebnis: Unisicherheit und Verwirrung.

Nicht nur Europäer und Amerikaner haben von dieser Entwicklung profitiert. Schnelles Wachstum findet man zunehmend in vielem Teile der Welt. Nach UNO Schätzungen sind mehr als eine Milliarde Menschen in den letzten 15 Jahren von Armut und Hunger befreit worden.

Technologisch sind wird schon jetzt in der Lage die Welthunger auszulöschen. Hier spielt die Landwirtschaft eine immer wichtigere Rolle. Aber nicht nur. Hunger kommt zunehmend als Ergebnis politischer Konflikte, die sehr oft als Ergebnis der wirtschaftlichen Änderung aufflammen. .

  • Bundeskanzler Merkel ahnte schon vor Jahren was auf uns zukommen würde. Schon 2007 schlug sie einen „Trans-Atlantischen Marktplatz“ vor. In 2013 wurde diese Idee erweitert. Unser Ziel ist jetzt eine „Trans-Atlantische Handels und Investition Partnerschaft.“ (TTIP).

Analysen zeigen immer wieder, gerade eine Handelsnation wie Deutschland würde dramatisch profitieren von dem Vorteile des einen solchen Abkommens bringen würden.

  • Aber ein Vorschlag der vor 10 Jahren so logisch zu sein schien, erntet zunehmend Kritik auf beiden Seiten des Atlantiks, vor allem in Deutschland. Warum?

Die genauen Gründe für die Ablehnung sind schwer zu definieren. Die wenigsten Gegner verstehen genau worum es sich handelt. Meiner persönlichen Meinung nach, basiert sich die Opposition auf Angst. Angst vor Änderungen, Angst vor eine Zwangsöffnung für ausländische, vor allem, amerikanische Einflüsse.

  • Deutschland hat erst vor 25 Jahre seine Einheit wieder bekommen. Man will das Erreichte Genießen, und nicht gesagt bekommen, dass alles sich wieder ändert. Amerika dient wieder, wie so oft in der Vergangenheit, als Zielscheibe für alle Unklarheiten, Unsicherheiten und Ungewissheiten des Wandels.

In den USA sieht die Lage noch komplizierte aus.  Auf der einen Seite – eine führende Technologiemacht, die fast alle neue Gebiet dominiert.

Auf der anderen Seite, Hurra Rufe für Politiker die alles Moderne kaputt machen wollen.

  • Was sagt das uns?   Dass die Geschichte nie vorbei ist. Vor 70 Jahren, haben unsere Vorgänger eine neue Atlantische Welt geschaffen, die Krieg und Nationalismus für immer auslöschen sollte.

Wir haben mit diesem Ansatz viel Erfolg gehabt.   Aber eins haben wir nicht erreicht.

  • Wir haben das Rad der Geschichte nicht zum Stillstand gebracht.  Gewöhnlich beginnt unsere moderne Zeitrechnung mit der „Stunde null“ von 1945. Aber war 1945 wirklich der Startpunkt unseres Zeitalters oder eher der Anfang einer Erholungsphase nach zwei furchtbaren Kriege?

Die Haupteigenschaften unserer Zeit sind die zwei Epochen des rücksichtslosen Wandels, verursacht durch die industrielle Revolution. Die erste Phase hat vor 175 Jahren angefangen hat. Die Zweite vor ungefähr 40 Jahre.

Gewappnet mit dieser genaueren Zeitrechnung, können wir uns besser orten. Wir dürfen nicht vergessen – seit 1990 sind schon 26 Jahre vergangen. Mehr als genug, um in die zweite Phase nach 1945 einzutreten. Diese neuen Etappen der Geschichte zu definieren und verstehen wird für die kommenden Jahrzehnte unsere Hauptaufgabe sein.

Diese Entwicklung sind uns seit Jahren bekannt. Aber die Menscheit orientiert sich nur langsam uaf neue Gegebenheit. Meistens brauchen wird Unruhe und Konfrontation um wach zu werden.

Das sind meines Erachtens die Hintergrunde zu den schwierigen politischen Konfrontationen die man auf beiden Seiten des Atlantiks jetzt meistern muss.

Der Wandel kommt jetzt so schnell, dass weder Politiker noch Wähler ihn Verdauen können. Die neuen technolgischen Forschritte drängen sich immer tiefer in unsere Privatspheren rein. Alte Industriekulturne werden zerstört (Detroit).   Eine ganze Generation verlieren nicht nur Arbeit, sondern auch Identität.

In diesen Tagen muss ich öfters an die 80er Jahre denken. Auch damals durchlebten wir eine fürchtbare Wirtschaftskrise, Konfrontation im Nahen Osten und mit dem Iran.   Vor allem waren die Beziehungen zur Sowjet Union sehr gespannt.

Die Menschen in Deutschland waren besonders unsicher geworden. Es schien als ob die Hoffnungen der frühen 70er Jahren auf Frieden und Wohlstand verschwunden waren. Viele waren bereit ihre Ziel nach Einheit und Freiheit aufzugeben, um Frieden mit Russland zu ermöglichen.

Aber in den 80er Jahren erlebten wir auch die Geburtsstunde des digitalen Zeitalters. Zehn Jahre später war Deutschland vereinigt, Russische Raketen waren verschwunden. Europa war vom Kommunismus befreit und eine neue Ära des Wohlstands und Fortschritts lag vor uns.

  • Die Prognose heute ist noch positiver. Was fehlt, wie damals, ist Selbstvertrauen. Wenn wir unseren Zielen treue bleiben, kann niemand uns im Wege stehen.

Durch das Ende des Kalten Krieges und die Verbreitung der Globalisierung haben wir im Westen einen großen Teil unserer ihrer Identität neu Erfinden müssen.

Die Verwirrung wird dadurch gestärkt, dass der gewaltige wirtschaftliche und technologische Wandel der letzten zwei Jahrzehnte zu einer fundamentalen Umstrukturierung unseren internen politischen und wirtschaftlichen Ordnung beigetragen hat.

Ich bin nicht pessimistisch. Ich bin sogar sehr optimistisch. Das Jahr 2016 ähnelt nicht die Jahre 1914 oder gar 1939. Wir haben so viele Fortschritte gemacht und so viel Demokratie aufgebaut, dass der alte Nationalismus nicht wieder kommen wird.

Aber wir können die Lage schwieriger machen, wenn wir nicht hin und wieder versuchen die Änderungen besser zu verstehen. Das digitale Zeitalter verlangt tatsächlich eine Neuvermessung der Welt. Die, die das Verstehen können, werden die Zukunft am besten meistern können.

The above speech was delivered by John C. Kornblum, member of AICGS board of trustees and Senior Counselor at Noerr Group/Noerr LLP, at BHF Bank in Hamburg on June 2, 2016. 

  • Friedrich Führ

    Ziele allein genügen nicht. Sondern sie müssten von den Werten geleitet werden.
    Es stimmt, EU Europa und US Amerika sind eng verbunden und gemeinsam dominieren sie die Welt. Leider sind die sogenannten Werte der westlichen Welt bislang eine Mogelpackung: für “Frieden und Freiheit” führt diese Allianz Kriege, Kriege ums Öl oder um Vorherrschaft oder schlicht Wirtschaftskriege. Die USA haben sich von den Bush junior Jahren noch nicht wieder erholt, weder moralisch noch ökonomisch- und dennoch bestünde die Chance auf “eine bessere Welt”, wenn diese beiden Partner ihre Werte selbst ernster nehmen würden, das, lieber John Kornblum, wäre wirklich eine neue Zeit. Das hätte dann Einfluss auf die Ziele: Ziele, die den Werten widersprechen, darf es künftig nicht mehr geben. Ohne Kongruzenz von Werten und Zielen, ist das von Ihnen angesprochene Paradox “logisch”- denn der Westen hat sich unglaubwürdig gemacht.
    Friedrich Führ
    Rechtsanwalt
    Manager
    Mitglieder der deutschen Gesellschaft des Club of Rome